Provinz Nuoro - die Barbagia
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Das felsige Herz der Insel. Ein steiniges Relief voll verborgener Höhlen, kahler Steilhänge, dichter Eichen- und Kastanienwälder. Als Terrain unüberschaubar und unkontrollierbar für Eroberer
und Carabinieri. Wenige Straßen, die nur aus Kurven bestehen, ab und zu Schafherden. Sprödes Karstland, macchiaverfilzt, undurchdringlich.
Die Region hat ihren Ruf. Land der Banditen, Entführer, Viehdiebe – wo die bösen Buben wohnen. Von jeher hat man sich von außen auferlegten Gesetzen nur widerwillig gebeugt. Unter dem
staatlichen Deckmantel wirkten die alten Regulative der Hirtenclans weiter und bestimmten das Zusammenleben. Vergehen gegen die Gemeinschaft wurden mit Strafen beantwortet, die aus der
Beratung der Dorfältesten hervorgingen. Betroffene Familien übten Vergeltung an den Tätern und ihren Angehörigen. Das konnte zur „vindicau“, der Blutrache führen (nicht nur auf Sardinien!),
in leichteren Fällen waren erst die Schafe der anderen „dran“.
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Banditen gibt es heute nicht mehr. Wenn man unvermutet martialisch bewaffneten Gestalten auf der Straße begegnet, sind das meist Jäger. Allerdings auch Hirten, die ihre Herden bewachen –
Viehdiebstahl kommt vor.
Die letzte bekannt gewordene Blutrache geht in die fünfziger Jahre zurück. Falls diese Art der Selbstjustiz noch irgendwo schwelt, ist das eine zutiefst innersardische Angelegenheit, von der
man als ausländischer Besucher nie etwas erfahren wird – und sich auch nicht darum bemühen sollte. Sensationstourismus, mal „Banditen live erleben“, ist völlig fehl am Platz. Statt dessen ist
die Barbagia ideal für alle, die die Schönheit der sardischen Bergwelt erleben wollen. Der steil aufragende Supramonte und die weiten Rücken der Monti del Gennargentu sind die
eindrucksvollsten Ziele. Letztere haben mit 1834 m und 1829 m die höchsten Gipfel der Insel, ein Highlight im Supramonte ist das versteckt gelegene Nuraghierdorf am Monte Tiscali, das nur zu
Fuß zu erreichen ist.
Barbagia auf einen Blick
Die Barbagia ist das bergige Herzstück Sardiniens. Die höchsten Berge, der Monti del Gennargentu und der Supramonte, bestimmen das Landschaftsbild. Der bequemste Zugang führt über die
Provinzhauptstadt Nuoro. Von hier ist man schnell in Oliena am Hang des Supramonte
oder im Muralesdorf Orgosolo. Weitere interessante Ziele sind die Dörfer um das Gennargentu-Gebirge, also Fonni, Tonara, Desulo und Aritzo, letzteres beliebte Sommerfrische für das nicht mehr allzu ferne Cagliari.
Verbindungen ARST-Busse fahren von Nuoro in alle wichtigen Barbagia-Dörfer, z.T. sind bequeme Tagestouren möglich. Im südlichen Teil der Barbagia, an den Südhängen des Gennargentu-Massivs
locken die FdS-Schmalspurstrecken von Arbatax (Ostküste/Ogliastra) über Seui nach
Mandas und von Mandas über Isili nach Sorgono.
Straßen extrem kurvig und deshalb zeitraubend (Fahrtdauer großzügig kalkulieren). Landschaftlich meist sehr reizvoll, besonders die Strecken um den Gennargentu. Dort auch Stichstraßen in die
Umgebung der Gipfel. Neu gebaut wurde eine Schnellstraße von Nuoro nach Lanusei.
Schnee & Schneepisten in der Barbagia
Auch auf Sardinien kommt es vor, dass es im Winter heftig schneit so, dass man sogar am Gennargentu Skifahren kann. Es gibt ein Skilift bis auf 1820 m und ab da 3 Abfahrtspisten mit
insgesamt 4 km Länge.
Manchmal sind sogar Dörfer wie Mamoiada, Fonni, Gavoi, Orgosolo und Oliena unter
einer dicken Decke Schnee verschwunden und kaum erreichbar.
