Nuoro

Die Provinzhauptstadt Nuoro, 40.000 Einwohnern, liegt am Fuße des fast 1.000 m hohen Monte Ortobene und gilt als Eingangstor zur Barbagia. Völlig überraschend erscheinen die Hochbauten auf einem Plateau zwischen dürren Macchiahängen, wenn man unten im Tal auf der Schnellstraße von Siniscola aus kommt. Eine Schönheit ist Nuoro nicht. Als Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und größte Stadt der Barbagia ist sie Verwaltungs- und Wohnbauzentrum.

Die Stadt, die gemeinhin als die Hauptstadt der Barbagia angesehen wird, ist genauer gesagt der Mittelpunkt eines "il nuorese" genannten Gebietes. Die anderen Unter-Regionen der Provinz sind: die Baronia von Siniscola, die Baronia von Orosei, die Barbagia von Ollolai, Belvì und Seulo und das Gebiet Sarcidano im Süden, das Gebiet Marghine und die Planargia im Westen; ein Zipfel der Gallura im Norden.

Betont werden muss die Unbeständigkeit des Klimas dieser Gegend, eine Besonderheit der gesamten Insel ist. Mehr als die Hälfte des Gebietes der Gemeinde Nuoro nehmen Weiden ein, ein Fünftel Wälder, den Rest Saatfelder und Holzwirtschaft. 
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Sehenswertes
Den Corso Garibaldi entlangbummeln, danach ins große Volkskunstmuseum und das alte Viertel mit dem Geburtshaus der Grazia Deledda besichtigen.

Piazza Italia
Oberhalb der Altstadt, weite, kahle Piazza mit Betonhochbauten im Stil der Mussolini-Ära. Weniger  sehenswert als vielmehr historisches Beispiel der protzigen Duce-Architektur, die das alte Nuoro zusehends verdrängt hat.

Chiesa delle Grazie
Die große, moderne Kirche aus hellgrauem Granit steht an der gleichnamigen Piazza, wo der Corso Garibaldi beginnt. Das gusseiserne Tor der Vorderfront wird umrahmt von farbenfrohen Mosaiken, das Innere ist aufwändig gestaltet – Marmoraltäre und ebensolche Böden, an den Säulen Terrakotta-Malereien, dazu modern stilisierte Gemälde. 
Piazza Vittorio Emanuele
Seitlich vom Corso Garibaldi liegt eine gepflasterte Fläche mit Grünanlagen und mächtigen Pinien. Hier trifft sich abends die Stadtjugend und es geht oft hoch her. Während der „Sagra del Redentore“ werden hier Tänze und Theater aufgeführt. Am oberen Ende führt die schmale Via Monsignor Bua durch einen abgasbraunen Torbogen zur Kathedrale Santa Maria della Neve.
 
Corso Garibaldi
Der zentrale, mit Granitsteinen gepflasterte Boulevard im Zentrum verläuft leicht ansteigend quer durch die Altstadt. Am Corso liegen die meisten Geschäfte der Stadt, abends ist er für Autos gesperrt und fungiert als lebendige Flanierzeile. Von der Piazza San Giovanni am oberen Ende kommt man in das älteste Viertel der Stadt um das Geburtshaus der Dichterin Grazia Deledda. Nur wenige Schritte entfernt öffnet sich an der Ausfallstraße Richtung Küste ein fantastischer Blick das terrassenförmig abgestufte Tal entlang bis zum Supramonte und Oliena.

Museo d’Arte Provincia di Nuoro (MAN)
Das moderne Kunstmuseum Nuoros ist in einem historischen Palazzo in der Via Sebastiano Satta 15 untergebracht, wenige Schritte seitlich vom Corso Garibaldi. Die schönen, hellen Räume sind ansprechend gestaltet. Im Erdgeschoss sind wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer sardischer Künstler zu sehen, darunter auch Francesco Ciusa aus Nuoro, im ersten Stock eine permanente Ausstellung von Gemälden sardischer Künstler des 19. und 20. Jh. weiter oben die bislang größte zusammenhängende Werkschau des italienischen Grafikers Pintori.
Museo Deleddiano
Das Geburthaus von Grazia Deledda in der Via Grazia Deledda 28 (frühere Originalnummer, heute neben Nr. 44!) ist vom Ostende des Corso Garibaldi aus schnell zu erreichen. Zu erkennen ist es an der Gedenktafel an der Front. Das schlichte Granithaus der wohlhabenden Familie Deledda bietet eine der wenigen Möglichkeiten, den Lebensstil einer begüterten sardischen Bürgerfamilie des letzten Jahrhunderts ansatzweise nachzuvollziehen. Eindrucksvolle Fotos, Dokumente und Zitate aus dem autobiografischen Roman „Cosima“, in dem sie ihr Elternhaus beschreibt, schmücken die Wände des Erdgeschosses. Dort liegt u. a. die gut eingerichtete Küche, im Zwischengeschoss ist die Vorratskammer untergebracht. Weiter oben sind die Räume bislang noch leer. Neben dem Haus liegen ein Stall, ein dreieckiger Hof mit Brunnen, der zur Straße hin durch eine hohe Mauer abgetrennt ist, dahinter ein Garten. Im Umkreis des Hauses schmücken hier und dort Zitate aus Grazia Deleddas Werken die Wände, Teil des so genannten „Parco Letterario Grazia Deledda“, der sich vor allem in Galtelli manifestiert hat.

Chiesa della Solitudine
Schöner, ruhiger Platz etwa 10 Min. vom Haus der Grazia Deledda an der Straße zum Monte Ortobene. Die schlichte Kapelle beherbergt seit 1959 in einem schwarzen Granitsarkophag die sterblichen Überreste der Schriftstellerin.

Piazza Sebastiano Satta
Hier steht das Geburtshaus des zweiten berühmten Dichters der Stadt, Sebastiano Satta. Ihm zu Ehren hat die Stadtverwaltung einige gewaltige Granitblöcke aufgestellt, in deren Nischen kleine Bronzefiguren von Costantino Nivola platziert sind, die Szenen aus dem Leben Sattas darstellten. Der „Poet der Barbagia“ und bekannteste Lyriker der Insel wurde 1867 geboren, arbeitete in Nuoro lange als Anwalt und starb hier 1914 mit 47 Jahren. Er besingt in seinen Gedichtbänden „Canti Barbaricini“ und „Canti del Salto e della Tanca“ die wilden, einsamen Landschaften der Barbagia.

Santa Maria della Neve
Die Kathedrale von Nuoro ist ein klassizistischer Bau aus der Mitte des 19. Jh. Der Säulenvorbau ist antiker griechischer Tempelkunst nachempfunden, im dreischiffigen Inneren gibt es zahlreiche Seitenaltäre und Gemälde, interessant ist z. B. die „Sardische Himmelfahrt“ links neben dem Hauptaltar. Neben der Kirche liegt eine (oft verschlossene) Terrasse mit herrlichem Blick das Tal entlang. 

Museo della Vita e delle Tradizioni Popolari Sardi
Das reichhaltigste Volkskunstmuseum der Insel findet sich ein Stück südlich der Kathedrale, zu erreichen über den Viale Sant'Onofrio, ausgeschildert meist als „Museo delle Costumi“. Man durchquert über fünfzehn Räume in einem Komplex niedriger Häuschen, die sich um zwei Innenhöfe gruppieren und verschiedene Baustile der Insel widerspiegeln. Erster Schwerpunkt sind die aus ganz Sardinien zusammengetragenen farbenprächtige Kompositionen entworfen. Im Weiteren ist ein Raum den sardischen Musikinstrumenten gewidmet, der nächste den berühmten Backwaren der Insel – von Brot aller Art über Hochzeitskuchen und Teigtaschen bis zu Mandelplätzchen ist alles vertreten, jeder Anlass hat sein eigenes Gebäck. Den Backwaren folgt eine Ausstellung traditioneller Arbeiten in Handwerk und Landwirtschaft, darunter Korbflechten, Korkbearbeitung, Töpferei, Käsebereitung, Herstellen von Launeddas etc. Auch Schmuck ist stark vertreten, darunter eingefasste Korallen und Muscheln, außerdem eine große Anzahl magischer Amulette, die kranke Körperteile heilen sollen. Den Schluss bilden sehr eindrucksvolle Puppen, die uralte Karnevalsbräuche aus dem Inneren Sardiniens darstellen. In Orotelli (westlich von Nuoro) werden z. B. schwarz bemäntelte Gestalten namens „Sos Thurpos“ mit rußgeschwärzten Gesichtern und großen Viehglocken behängt, von einem Antreiber an einem Strick gehalten und vorwärts getrieben.

Parco Sant’Onofrio
Nur wenige Schritte vom Volkskunstmuseum entfernt liegt dieser ruhige Park – ein schönes Fleckchen, um vom Stadtrummel auszuspannen und den Blick hinüber nach Oliena zu genießen.

Monte Ortobene
Eine 7 km lange Serpentinenstraße führt vom Stadtzentrum auf den 895 m hohen Gipfel des Hausberg von Nuoro. Zwischen zerklüfteten Granitfelsen geht es in dichte Steineichenwälder hinauf, aber auch Zedern und Silbertannen gedeihen dort. Binnen kurzer Zeit kann man so der Stadt entkommen, frische Bergluft schnuppern, die Ruhe und das weite Panorama genießen. Am Ende der Straße reicht der Blick über das Tal des Riu d’Oliena zum Supramonte mit dem darunter liegenden Dorf Oliena. Die Sarden kommen vor allem zum Picknicken herauf, einige kleine Quellen sprudeln aus dem Berg, rohe Steintische und -bänke stehen verstreut, Snacks und Souvenirs werden verkauft.

Am Südhang (beschildert mit „Redentore“) scheint die 7 m hohe Erlöserstatue „Il Redentore“ über den aufgetürmten Felstrümmern fast zu schweben. Die kolossale Statue wurde 1901 von einem Bildhauer aus Neapel geformt, originell ist das Kindergesicht, das hinter dem Fuß hervorlugt. Sie ist das Ziel der alljährlichen Redentore-Prozession am 29. August – die große Zehe des rechten Fußes, der einzige Körperteil, der in Reichweite ist, ist völlig blank gerieben von den vielen Küssen und Berührungen. Grandios ist dort der Rundblick über die bewaldeten Hänge hinunter nach Nuoro und weit in die Barbagia hinein. Nur wenig unterhalb erkennt man eine Forststation, die über den wertvollen Waldbestand wacht. 

Die Trachten von Nuoro

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