Veranstaltungen auf Sardinien

Die Insel der tausend Feste

Das Leben auf Sardinien ist wie seine Landschaft – eher schlicht als üppig. Die überwiegend ländliche Bevölkerung musste ihren Lebensrhythmus nach den äußeren Bedingungen wie Wetter, Jahreszeiten und den Bedürfnissen ihrer Tiere einrichten. Doch auch für die hart arbeitenden Menschen gab es Zeiten, in denen nicht so viel zu tun war; sei es weil die Tiere im Stall oder die Ernte eingebracht und die Äcker bestellt waren. Da dies naturgemäß die Wintermonate betrifft, fallen viele Feste religiöser oder sogar heidnischer Natur in diese dunkle Jahreszeit. So hatten die Inselbewohner Zeit, sich ihren Familien zu widmen und die von der Natur auferlegte Arbeitspause mit fröhlichen und sehr geselligen Festen gebührend zu feiern.

 

Die Behauptung, dass irgendwo in den 365 Gemeinden Sardiniens immer gefeiert wird, ist keinesfalls übertrieben. Zwar häufen sich die örtlichen Feste überwiegend zwischen Mai und September, doch auch zum Karneval und in der Osterzeit vergnügt man sich gern und ausgiebig. Die meisten Feierlichkeiten haben religiösen Ursprung, die jedoch oftmals mit heidnischen Bräuchen vermischt wurden. Auch Märtyrer und Schutzheilige nehmen einen hohen Stellenwert in der sardischen Festkultur ein. Da jede noch so kleine Gemeinde ihren Schutzheiligen und womöglich noch einen Märtyrer gebührend feiert, kann man sich gut vorstellen, wie oft irgendwo auf Sardinien gerade Festtagsstimmung herrscht. Böse Zungen behaupten, dass viele der über tausend Feste eigens für die Touristen erfunden worden sind – doch berücksichtig man das Brauchtum und die religiösen Traditionen der Insel, kommt man von dieser irrigen Meinung rasch wieder ab.

 

Gleichgültig welches Fest gerade gefeiert wird - zwei Elemente sind immer vorhanden: die traditionellen sardischen Trachten und die kunstvollen Festtagsbrote, die aus Hartweizengrieß, Nüssen, Früchten und Honig in tagelanger Arbeit gebacken werden. Bei den Prozessionen, in denen die Schutzheiligen des Ortes durch die Straßen geführt werden, darf ein Ochsenkarren zum Transport der Heiligenstatue ebenfalls nicht fehlen. Die eher gemütlichen Tiere werden den temperamentvolleren Pferden vorgezogen, um Unruhen in dem oft sehr dichten Gedränge zu vermeiden. Natürlich ist Essen und Trinken bei den Festen sehr wichtig. Ob Brot, Makkaroni, Gebratenes, Kaffee und Wein, das alles wird in großen Mengen gebacken, gekocht und gebraten – und selbstverständlich verspeist.

 

Die Sarden verstehen es zu feiern, was die über 1000 Feste, die über das Jahr verteilt auf Sardinien stattfinden, zur Genüge beweisen. Ein Zitat aus dem Sardinien-Roman „Die Maske des Priesters“ von Gracia Deledda gibt diese Lebenseinstellung mit wenigen Worten treffend wieder: „Lasst uns tanzen, singen, pfeifen, das Leben genießen. Gott hat uns das Leben geschenkt, damit wir es ein wenig genießen.“

Autorin des Textes:   Claudia Hurth
Quelle: www.sardinien-reiseinfo.net

Januar

Am 17. Januar wird auf in vielen Gemeinden das Fest des Sant’ Antonio Abate gefeiert. Bereits am Vorabend des Festes werden riesige Holzfeuer entzündet, die nach Möglichkeit aus aromatischen Hölzern bestehen sollten. In einigen Orten dürfen ausschließlich Rosmarinsträucher verbrannt werden, deren würziger Duft noch Tage nach dem Fest in der Luft hängt. Am Festtag selbst versammeln sich die Menschen um die Holzfeuer, es wird gegessen, getrunken und getanzt.

Dieses Fest leitet quasi den Karneval auf Sardinien ein. Bereits am 20. Januar wird das Fest des Heiligen Sebastino ebenfalls mit Holzfeuern und Feuerwerk begangen. Hiermit soll auch das neue Jahr begrüßt werden, und man bittet um eine reiche Ernte und das Wohlergehen des Viehs.

Februar

Der Februar ist der Monat des Karnevals. Allerdings ist der sardische Karneval keineswegs mit dem Kölner Karnevalsumzug zu vergleichen ausser vielleicht in Cagliari wo man auch Konfetti, grosse Karren und Luftschlangen während des Umzuges sieht.

 

Überall auf Sardinien wird gefeiert, doch ist dies je nach Region sehr verschieden.

 

In Paulilatino, Abbasanta und Oristano werden beeindruckende Reiterspiele veranstaltet, bei denen der Reiter in vollem Galopp mit der Lanze einen Ring aufspießen muss. Ein Fehlstoss oder gar ein Sturz vom Pferd würde unweigerlich eine Missernte für die örtliche Bevölkerung darstellen.

 

In Mamoiada, Orotelli und Ottana dagegen ziehen finstere und teilweise auch furchterregende Masken durch die Straßen.

 

Fröhlicher geht es in Bosa und Tempio Pausania zu, wo man zwei Wochen pausenlos Karneval feiert.

März

Dieser Monat ist ein an Volks- und Kirchweihfesten armer Monat. Einzige Ausnahme bilden die Feierlichkeiten zu Ehren des San Giuseppe, die am 19.März in Nuoro, Lodi, Oniferi, Ortueri, Oristano, Romana, Valledoria und San Vero Milis stattfinden.

April

Wie in ganz Südeuropa ist Ostern - Pasqua - auch auf Sardinien das höchste religiöse Fest des Jahres. Es gibt kaum eine Gemeinde, in der während der Karwoche kein Umzug stattfindet. Die wohl beeindruckendste Veranstaltung in der Osterzeit ist die Ostermontagsprozession „Lunissanti“ in Castelsardo. Bei der über 10 Kilometer langen, von Fackelträgern begleiteten Lunissanti- Prozession ertönen altertümliche Gesänge, die dem Fest eine mittelalterliche Atmosphäre verleihen. Doch auch in Alghero, Cagliari, Oristano, Sassari und Iglesias sind diese Umzüge sehr prächtig und der Bedeutung des Osterfestes angemessen. Auch zu Ostern wird das traditionelle Ostergebäck und –brot gebacken.

 

Viele Sarden nutzen den zweiten Osterfeiertag - Pasquetta -, um mit ihren Familien und Freunde zu einem geselligen Picknick aufs Land zu fahren.

 

Ein weiteres Fest in diesem Monat ist das Zitrusfrüchtefest in Muravera. An drei Tagen präsentieren die Bauern ihre Erzeugnisse in einer grossen Parade.

Mai

Dieser Monat muss insgesamt 150 Feste unter seinen Hut bringen – und das bei nur 31 Tagen.

 

Am 1. Mai findet gleich das größte Fest der Insel statt, die Sagra de Sant’Efisio in Cagliari. Das Fest dauert bis zum 4. Mai. Diese wahrscheinlich bekannteste religiöse Veranstaltung Sardiniens geht auf ein uraltes Gelübte zurück. Eine priunktvolle Prozession, bei der an die tausend Teilnehmer aus ganz Sardinien durch die Stadt ziehen und das Standbild des heiligen Efisio nach Pula begleiten.

 

Zur selben Zeit findet die Sagra di San Francesco von Lula statt, bei der um die Wallfahrtskirche San Francesco Festbankette, Dichterwettbewerbe und Reiterspiele veranstaltet werden. Sehr beeindruckend ist auch die am letzten Sonntag im Mai stattfindende Bootsprozession zu Ehren der heiligen Madonna des Meeres in Orosei.

 

Am zweiten Sonntag im Mai wird in Tonara zwei Tage lang die Nougatwoche „Sagra del Torrone“ gefeiert.

Juni

Eines der wichtigsten reliogiösen Feste in diesem Monat ist sicherlich Corpus Domini, das mit Prozessionen und religiösen Offenbarungen in Desulo gefeiert wird.

 

Am ersten Sonntag des Monats findet in Fonni eine Reiterprozession zu Ehren der Madonna die Martiri statt.

 

Daneben gibt es 100 weitere Feste auf der Insel, unter anderem Dichterwettbewerbe und den ältesten Pferdemarkt auf Sardinien, der vom 2. bis 4. Juni in San Leonardo de Siete Fuentes stattfindet.

Juli

Der Monat beginnt mit einem wilden Reiterfest in Sedilo. Wer kann, kommt in diesen Ort, um die „Ardia“ mitzuerleben und sich von den ungezügelten Reiterhorden faszinieren zu lassen. Während auf den Straßen die Pferde entlang preschen, feiern die Zuschauer ein barockes Fest, bei dem Unmengen von Speisen und Getränken aufgetischt werden.

 

Zwei Tage lang dauern die Festlichkeiten in Villasimius, bei denen die Madonna der Schiffbrüchigen mit einer Prozession von prächtig geschmückten Booten geehrt wird.

August

Auch dieser Monat kann 170 Feste sein Eigen nennen, manche davon dauern mehrere Tage, so auch das Fest zu Ehren der Santa Maria della Neve. Einen Tag vor Christi Himmelfahrt wird in Sassari das Kerzenfest gefeiert. An Himmelfahrt selbst finden in vielen Orten farbenprächtige Prozessionen statt.

 

Am letzten Sonntag im August ist das Kirchlein Madonna de su Monte bei Nuoro ein begehrtes Wallfahrtsziel. Das Fest des Erlösers - Sagra del Redentore - gehört zu den wichtigsten der Insel und wird selbst bei sengender Hitze gebührend gefeiert.

 

Mitte August findet in Sassari das auch über die Landesgrenzen hinaus bekannte Fest der Candelieri statt.

September

In diesem Monat findet in Selargius der Matrimonio Selargino statt. Das Brautpaar wird nach einem sehr komplizierten Zeremoniell in sardischer Tracht getraut.

 

In Cabras findet am ersten Sonntag des Monats das Fest des heiligen Salvatore statt, an dem die gleichnamige Wallfahrtskirche zuerst der Mittelpunkt des Gottesdienstes und später eines zünftigen Volksfestes ist.

 

Genau elf Tage lang, vom 7. bis 17. September, wird in Bortigali das Fest der Madonna von Rimedio gefeiert.

 

Die Stadt Orosei überbietet diesen Feiermarathon sogar mit 18 Festtagen.

Oktober

Im Oktober werden Feste zu Ehren des heiligen Francesco in Ala die Sardi und des heiligen Bachisio in Bolotana begangen.

 

Doch die wichtigste Veranstaltung des Monats, die auch bei Touristen sehr beliebt ist, ist die Kastanien- und Haselnussernte, die am letzten Oktobersonntag in Aritzo gefeiert wird. Hier zeigt Sardinien, was Küche und Keller zu bieten haben, und da dies nicht nur die gerade geernteten Nüsse sind, darf man sich zwei Tage lang auf ein rauschendes Fest freuen.

November

Im November klingt die Feierlaune auf Sardinien allmählich ab. Was nicht bedeutet, dass in diesem Monat keine Feste mehr gefeiert wer-den. Nur eben nicht mehr ganz so laut und bunt, denn es ist der Monat, in dem die Sarden ihrer Toten gedenken. So werden in ungefähr zwanzig Veranstaltungen auf ganz Sardinien in unterschiedlichen Riten und Zeremonien die Verstorbenen geehrt. In der Provinz Oristano bereiten die Frauen an Allerseelen (2. November) frische Pasta zu, von der nur ein Teil gegessen wird – der Rest ist für die toten Seelen bestimmt. Auch die Kinder ziehen an diesem Tag durch die Orte und erbitten Früchte und Süßigkeiten für die Verstorbenen. Der gleiche Brauch, nur sehr viel feierlicher, wird auch in der Provinz von Nuoro alljährlich begangen.

Am 11. November findet das Martinsfest statt, das besonders in Bessude und Sanluri mit feierlichen Prozessionen und großem Feuer begangen wird. Nach dem Umzug gibt es üppige Festessen, Volkstänze und Dichterwettbewerbe.

Der Monat endet mit einem sehr stimmungsvollen Fest zu Ehren des heiligen Andreas. In Bono ziehen die Kinder des Ortes mit selbstgebastelten Kürbislaternen durch die schmalen Straßen und verbreiten eine fast schon geisterhafte Stimmung.

Dezember

Im Dezember finden die wenigsten Volksfeste auf Sardinien statt. Dennoch versäumen es die Sarden nicht, sich für das Weihnachtsfest mit einigen „kleineren“ Veranstaltungen einzustimmen.

 

Das Fest der heiligen Barbara zieht in Alghero viele Besucher aus der Umgebung an. Nach der feierlichen Prozession wird in allen Straßen und Gassen gefeiert, gegessen und natürlich getrunken.

 

In Muravera wird das Nikolausfest sogar zwei Tage lang gefeiert. Das Fest zu Ehren der heiligen Lucia wird am 13. Dezember in allen sardischen Provinzen mit großer Begeisterung begangen. Auch hier gibt es feierliche Prozessionen, riesige lodernde Feuer, Festessen und Feuerwerke.

 

Dann ist es Zeit, sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten, das auf Sardinien auch „kleines Osterfest“ genannt wird. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist Weihnachten hier nicht das höchste Fest des Jahres, sondern Ostern.

 

In den letzten Tagen vor dem Jahreswechsel ziehen in einigen Provinzen wieder die Kinder von Haus zu Haus und bitten um Geschenke, die sie in den mitgebrachten geräumigen Leinensäcken verstauen.

Quelle Internet: http://www.sardinien-reiseinfo.net/sardinien_feste/