Karneval auf Sardinien
Quelle: www.ciaosardinia.com
Auch die Dörfer der Insel verkleiden sich und Schwarz und Weiß verwandeln sich in die Festfarben, um die antiken Traditionen der geheimnisvollen Riten heraufzubeschwören. Posse, Satire, Spiele
mit dem Paradox machen den Karneval zu einer Veranstaltung, die man miterleben muss. Denn jeder, der am sardischen Karneval teilnimmt, wird in die Festlichkeiten mit einbezogen. So feiern alle
mit und die Grenzen zwischen Darsteller und Zuschauer vermischen sich zusehends. Saubohnen und Schmalz, sog. Fritelle (eine Art langer Krapfen) und Wein begleiten jeden auf dieser unglaublichen
Reise.
Der sardische Karneval beginnt mit den Feierlichkeiten zu S. Antonio Abate und endet am Aschermittwoch. Die Hauptfeste finden an der Weiberfastnacht und am Fastnachtsdienstag statt, aber während der gesamten Karnevalswoche werden antike traditionelle Riten durchgeführt.
Im Nordosten Sardiniens ist wohl der Karneval von Tempio Pausania der Interessanteste. Hier ist Re Giorgio (König Georg) der Protagonist.
Die Protagonisten in Bosa und anderen Dörfern der Insel sind hingegen Stoffpuppen, die verurteilt und dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.
Den Karneval in der Barbagia (Mamoiada und andere Orte) darf man auf keinen Fall verpassen. Hier findet man gespenstische Masken und Gestalten, die einem Film von Fellini entsprungen zu sein
scheinen.
Pferdevorführungen hingegen charakterisieren den Karneval um Oristano.
Sardisches Karneval
Der interessanteste Moment des Karnevals von Tempio Pausania ist sicherlich der Umzug der allegorischen Wagen, die in ihrer jetzigen Aufmachung seit ungefähr 60 Jahren existieren.
Der Protagonist des Karnevals von Tempio ist „Sua Maestà Re Giorgio“ (Seine Hoheit König Georg). Die Maske ist eine riesige auf einem Thron sitzende Figur, die die Macht in all ihren Formen
widerspiegelt.
Sechs Tage lang wird „Sua Maestà Re Giorgio“ zugejubelt, er wird verehrt und ihm wird geschmeichelt. Am Fastnachtsdienstag dann, wenn der Tag sich dem Ende neigt, wird der König für alles
verantwortlich gemacht, prozessiert, verurteilt und öffentlich verbrannt.
So wird das alte Feuerritual, dass das Ende des Winters ankündigt, immer wieder neu erlebt.
Außer dem Umzug bietet der Karneval von Tempio noch eine Reihe an weiteren Veranstaltungen für die Großen und Kleinen. Natürlich dürfen in diesen sechs Tagen auch die Maskenbälle nicht
fehlen.
Während der Nacht des Diesntags findet das wohl merkwürdigste und drolligste Ritual des Karnevals in Bosa statt: nach satyrischen Gesang und einem Trauerklagen gegenüber der Karnevalspuppe verwischen die Unterschieden zwischen Verkleidete und "Nicht-Verkleidete": alle "beschmutzen" ihr Gesicht mit schwarzer Farbe und ziehen sich einen kleinen weißen Beutel über den Kopf. Jeder ist jetzt ein Gioldzi und als dieser geht er jetzt auf die Jagd nach anderen Gioldzis. Wie? Einmal gefangen beleuchtet er den Genitalbereich des anderen und schreit: "Gefangen"!
Karneval mit König Giorgio in Palau, aber auch mit den Köstlichkeiten sowie die Kunst der Gallura. Für die ganz Kleinen ist es auch ein Fest
der Schokolade; für die Erwachsenen jedoch ein ebenso kulturelles Event unteranderem mit einigen kleinen Komödien in sardische Sprache.
Barbagia Karneval
Auf der ganzen Inseln feiert man mit zahlreichen interessanten Veranstaltungen den Karneval. Besonders sehenswürdig ist der Karneval in Mamoiada,
wo di „Mamuthones“ (düstere Holzmasken mit Hirtenklamotten gekleidet und einer Traube von 30/40 Glocken auf dem Rücken) vorbeiziehen, Figuren, die die Besiegten darstellen und mit gesenktem Kopf
vorrücken während die „Issokadores“, die Gewinner, um sie herum tanzen und mit dem Lasso versuchen, die Zuschauer zu fangen. Am Abend zündet man Holzstapel an und tanzt um denen herum zu Ehren von
der Gottheit des Feuers. Etwas sehr ähnliches findet auch in Ottana mit dem Umzug der „Boes“, Kühe-Masken, und der „Merdules“, aus Schaffell, statt.
Die Masken Sos Merdules und Sos Boes bereichern den Karneval in Ottana. Am Vorabend bzw. am Sant´Antonio Abate Tag (16. Januar) zeigen sich zum erstan Mal im neien Jahr die Masken Merdules.
Vor dem Großen Feuer (S´Ogulone), natürlich nach dem religiösen Akt, beginnen die Karnevalsvorbereitungen. Sos Boes tragen weiße Schafsmäntel und setzen Sas Carazzas auf: Masken aus Holz
welche Rinder darstellen mit langen Hörnern. Des weiteren tragen sie auf dem Rücken ca. 40/45 Kg. Glocken die sogenannten Sonazas.
Die Merdules tragen hingegen weiße oder schwarze Schafspälze und Holzmasken um den Menschen dar zu stellen, meistens sind diese Masken sehr eigenartig in ihrer Form indem sie verschiedene
Ausdrücke des täglichen Alltags darstellen. Auf dem Rücken tragien sie Sa Taschedda das mit einem Lederrucksack zu vergleichen ist; in der Vergangenheit wurden diese vom Bauern
und Züchtern für den Transport von Lebensmitteln gebraucht. Die Figur der Merdules stell durch seinen Ritual die immer auftauchende Auseinandersetzung zwischen Tier und Mensch um das Vorherrschen.
Sos Boes haben eine eher primitieve Gangweise mit sprüngen und schaffen Unruhe zwischen dem Menschen; als Alternative legen sie sich auf den Boden als Rebellion gegen dem Befehl
der Sos Merdules welche mit Sa Socca, eine Lederkordel oder einem Stock, ihnen hinterherlaufen um sie zu kontrollieren.
Orotelli liegt in der Provinz von Nuoro. Es feiert Karneval mit seinen typischen Masken "Sos Thurpos": Die "Sos Thurpos“ tragen lange Gewänder mit einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. Das Gesicht selbst ist mit Ruß geschwärzt. Sie sind jeweils zu zweit mit einem Strick verbunden und werden von einer dritten Figur, dem „Su voinarzu“, herumkommandiert.
Das Ritual besteht aus der Festnahme (“Sa tenta“) eines Gefangenen, der dann gezwungen wird, allen einen auszugeben.
Häufig findet man beim Karneval von Orotelli auch die „Sos Thurppeddos“ (Kinder mit den Masken der Thurpos). Beim Maskenumzug laufen dann auch die kleinen Merdules aus Ottana, die Mamunthones aus
Mamoiada und die Samutzones aus Samugheo mit.
Quelle: Internet
Oristano Karneval
Der Höhepunkt des Karnevals von Santu Lussurgiu ist das traditionelle Pferderennen „Sa Carrela ´e Nanti“. Dieses wird vom Pferdeverein von Santu Lussurgiu, der Pro Loco und in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung organisiert.
Sa Carrela ´e nanti ist eine unbefestigte Straße mitten in der Altstadt des Ortes. Die Häuser bilden eine natürliche Begrenzung auf der anfangs ebenen Strecke. Am Ende befindet sich eine kurze
Steigung, die aus dem Ort in Richtung Bonarcado führt. Die gesamte Strecke ist übersät mit Kurven und Verengungen, die das Rennen zu einem atemberaubenden Spektakel werden lassen.
Am Karnevalssonntag finden sich gegen 15.30 Uhr die ersten Reiter (es sind ungefähr 60 und alles „echte“ Lussurgesen) an der "s´iscappadorzu“, dem Startpunkt des Rennens, ein.Die Bravour der Reiter sieht man im Zusammenspiel von Reitkunst, Strategie während des Rennens und der beruhigenden Einflussnahme auf die Pferde während der
kurvenreichen Strecke.
Der Rosenmontag heißt hier traditionell „Su Lunisi de sa pudda“. Die Reiter tragen eine oder mehrere Stoffhühner an ihrem Reit- oder Lastsattel. Die Freunde, die nicht am Rennen teilnehmen, hängen
auf halber Strecke diese Hühner mit dem Kopf nach unten auf. Sie werden dann in vollem Lauf mit Stöcken von dem über der Straße gespannten Seil abgeschlagen.
Dienstags endet das Spektakel der „Sa Carrela ´e Nanti“; am Ende der Reitveranstaltungen kürt eine (geheime) Jury die drei besten Reitergruppen mit den schönsten Masken während der drei Tage und die
drei besten Reitergruppen, die montags die meisten „falschen“ Hühner abgeschlagen haben.
Am letzten Sonntag und am letzten Dienstag vom Karneval findet in Oristano die Sartiglia statt, ein altes Pferderennen, das aus dem XVI. Jahrhundert stammt. Absoluter Protagonist der Veranstaltung ist „Su Componidori“, eine rätselhafte und faszinierende Figur mit einer schönen androgynen Maske, die die Reiter führt. Von zwei „Gremi“ oder „Corporazioni“ („Gilden“), die von den Bauern am Sonntag und die von den Schreinern am Dienstag, organisiert, beginnt die Sartiglia mit der Einkleidung des Rennenführers durch junge Frauen in Tracht, die „is Massaieddas“. Trompetern und Trommlern gehen vor ihm vor und maskierte Reiter folgen den Su Componidori während er die Stadt durchquert und die Leute mit dem „sa Pippia e Maju“ (einen Veilchenstrauss an einem Zepter aus Immergrünzweigen hängend, Symbol des Frühjahres) segnet. Das Pferderennen findet in der Via del Duomo Strasse statt wo Reiter im Galopp reitend mit dem Schwert den Stern, der an einem grünen Seidenfaden hängt, aufspiessen müssen. Von der Zahl der aufgespiessten Sterne kann man dann die Ernte des folgenden Jahres vorhersehen.
Der Karneval von Samugheo, in der Provinz von Oristano, ist bekannt für seine Masken und antiken Traditionen und wird von der Bevölkerung intensiv gefeiert. In den letzten Jahren haben immer mehr Touristen die Faszination des sardischen Karnevals entdeckt. Jedes Jahr strömen mehr Menschen aus allen Teilen des Mittelmeeres herbei, um ihm beizuwohnen.
Wie bedeutend der Karneval von Samugheo ist, zeigt sich daran, dass am Umzug häufig die „Mamunthones“ aus Mamoiada, die „Boes e merdules" aus Ottana, die „Thurpos“ aus Orotelli, die „Maskera a Gattu“
aus Sarule, die „Tumbarinos“ aus Gavoi und die „Su Bundu" aus Orani teilnehmen.
Quelle: Internet
Sardinien - La mia Isola